Schneller tippen: was die Forschung wirklich sagt
Viele, die schneller tippen wollen, tippen einfach mehr. Das hilft oft weniger als erhofft, denn im Alltag schreibst du in deinem gewohnten Tempo und übst damit genau dieses Tempo. Die Forschung liefert Hinweise auf Stellschrauben, die mehr bewirken können. Nicht alle sind gleich gut belegt, deshalb sagen wir jeweils dazu, wie sicher ein Befund ist.
Weniger Fehler bringen mehr Tempo
Eine grosse Online-Studie von Dhakal und Kollegen wertete die Tipptests von rund 168’000 Freiwilligen aus. Im Schnitt tippten sie 51,56 Wörter pro Minute (WPM). Die unkorrigierte Fehlerrate lag bei 1,167 %; gemeint sind Fehler, die am Ende im Text stehen blieben.
Für dein Training ist ein anderer Befund wichtiger. Nach Einschätzung der Forschenden kann schon eine kleine Verringerung der Fehler viel Tempo bringen. Ein Grund liegt auf der Hand: Jeder korrigierte Fehler kostet drei Anschläge statt einem, nämlich den falschen, die Rücktaste und den richtigen.
Eine Einschränkung gehört dazu. Die Teilnehmenden hatten sich selbst für den Test entschieden, und es waren überwiegend junge Menschen aus den USA.
Achte beim Üben deshalb zuerst auf deine Fehler und erst danach auf das Tempo. Wie Brutto- und Netto-WPM zusammenhängen, erklärt WPM richtig einordnen.
Was schnelle Tippende anders machen
Feit, Weir und Oulasvirta beschreiben drei Merkmale, die schnelles Tippen im Alltag auszeichnen. Zwei davon, feste Finger für jede Taste und ruhige Hände, trainierst du mit der Grundstellung. Das dritte betrifft das Tempo direkt: Schnelle Tippende bereiten die folgenden Anschläge schon vor, solange der aktuelle noch nicht abgeschlossen ist.
Dazu passt ein weiterer Befund von Dhakal und Kollegen. Manche Tippende drücken die nächste Taste schon, bevor sie die vorige losgelassen haben. Dieses Überlappen heisst Rollover. Es hing in der Studie stark mit dem Tempo zusammen (r = 0,73), was aber nicht beweist, dass gezieltes Rollover-Training schneller macht.
Rollover setzt voraus, dass der nächste Finger schon unterwegs ist. Besonders naheliegend ist das bei Buchstabenpaaren, die du abwechselnd mit linker und rechter Hand tippst, etwa «ei» in «bei» oder «ch» in «ich». In Phase 2 von typando üben eigene Einheiten solche Handwechsel mit häufigen Buchstabenpaaren.
Unser Tipp: Lies beim Abschreiben ein, zwei Wörter voraus, statt Buchstabe für Buchstabe zu folgen. So wissen deine Finger früher, wohin es als Nächstes geht.
Gezielt üben statt nur viel tippen
In einem Handbuchbeitrag zur Expertiseforschung beschreibt Ericsson, wie gezieltes Üben beim Tippen aussieht. Man tippt bewusst schneller als gewohnt, typischerweise etwa 10 bis 20 % über dem normalen Tempo. Im bequemen Bereich wiederholst du dagegen nur, was du schon kannst.
Eine Untersuchung von Keith und Ericsson mit Menschen, die im Alltag tippen, weist in dieselbe Richtung. Ein Tippkurs zusammen mit bewusstem Tempotraining hing dort deutlich stärker mit dem Tempo zusammen (β = 0,73) als ein Kurs allein (β = 0,15). Die Studie misst einen Zusammenhang und ist kein Experiment. Dass das Training die Ursache ist, belegt sie also nicht.
Beides passt zu einer Erfahrung, die viele machen: Man tippt jeden Tag und wird trotzdem nicht mehr schneller. Mehr vom Gleichen ändert an diesem Plateau wenig, solange das Tempo im selben bequemen Bereich bleibt. Setz stattdessen kurze Phasen knapp über deinem gewohnten Tempo ein.
Schwache Tasten im Wortkontext üben
Tempo geht oft an wenigen Stellen verloren: bei einem Buchstaben, den du unsicher triffst, oder bei einem Umlaut, für den der Kleinfinger weit greifen muss. Dort lohnt sich gezieltes Üben eher als ein weiterer Durchgang mit Wörtern, die ohnehin sitzen.
Die Auswertung in typando zeigt dir nach jeder Übung deine schwächsten Tasten, also jene mit der höchsten Fehlerquote. In Phase 2 wiederholt jede Einheit solche Schwächen, und zwar immer in echten Wörtern und nie als isolierte Buchstabenfolge. So übst du eine Taste in den Bewegungen, in denen sie beim Schreiben tatsächlich vorkommt.
Nimm dir auch ausserhalb des Trainers ein, zwei schwache Tasten vor. Hakt es etwa beim Ö, tippe mehrmals hintereinander Wörter wie «können», «schön» oder «hören».
So baust du Tempo-Sprints ein
Ein Tempo-Sprint ist eine kurze Übung, in der du bewusst etwas schneller tippst als sonst. Eine Einheit könnte so aussehen (ein Vorschlag von uns, nicht aus einer Studie):
- Aufwärmen: zwei, drei Minuten in deinem normalen Tempo.
- Sprints: drei oder vier Durchgänge von je einer Minute, rund 10 % schneller als dein Durchschnitt.
- Ausklang: ein ruhiger Durchgang, in dem nur die Genauigkeit zählt.
Mehr als 15 bis 30 Minuten solcher Konzentration am Tag hält man nach Ericsson ohnehin kaum durch. Plane deshalb lieber kurze Einheiten an mehreren Tagen. Warum sich verteilte Übungszeit schon beim Lernen auszahlt, zeigt unser Artikel zur Lerndauer.
In typando steckt dieses Prinzip im Tempo-Ziel von Phase 2. Es liegt 5 % über dem Durchschnitt deiner letzten fünf Übungen und ist damit vorsichtiger als die 10 bis 20 % bei Ericsson. Bestanden ist eine Einheit erst, wenn du dabei auch 97 % Genauigkeit erreichst. Phase 3 ergänzt eigene Tempo-Sprints: sechs Durchgänge von je 30 Sekunden, 10 bis 20 % über deinem gewohnten Tempo. Weil du dort bewusst an deine Grenze gehst, reichen 90 % Genauigkeit.
Genauigkeit zuerst: was belegt ist und was offen bleibt
Ob man beim Lernen zuerst genau und dann schnell werden sollte, hat bisher kein Trainingsexperiment direkt geprüft. Diese Frage ist offen.
Die Befunde zu Fehlern sprechen aber dafür, genau zu bleiben. Wenn Fehler so viel Tempo kosten, lohnt es sich kaum, Geschwindigkeit mit vielen Fehlern zu erkaufen. Wir bei typando werten deshalb zuerst die Genauigkeit aus und erst danach das Tempo.
Für deine Sprints heisst das: Fällt die Genauigkeit unter 90 %, war der Schritt zu gross. Geh zurück auf dein normales Tempo und steigere erst wieder, wenn du dort stabil über 97 % liegst.
Sobald du im Trainer Phase 1 mit allen Tasten abgeschlossen hast, setzt dir Phase 2 ein persönliches Tempo-Ziel, das mit deinem eigenen Durchschnitt mitwächst.
Häufige Fragen
- Soll ich Fehler beim Üben sofort korrigieren?
- Korrigiere, was du sofort bemerkst. In typando zählt ein korrigierter Fehler zwar trotzdem gegen die Genauigkeit, weil jeder Zeichenanschlag gewertet wird. Ein stehen gelassener Fehler kostet dich aber Netto-Tempo: Für jeden unkorrigierten Fehler zieht die Berechnung ein ganzes Wort ab. Am meisten gewinnst du deshalb, wenn gar nicht erst so viele Fehler entstehen.
- Ab wann lohnt sich gezieltes Tempotraining?
- Sobald du alle Tasten blind triffst und deine Genauigkeit stabil hoch ist. Solange du noch Tasten suchst, hat das sichere Blindschreiben Vorrang. In typando kommt das persönliche Tempo-Ziel deshalb erst in Phase 2 dazu, nachdem du in Phase 1 alle Tasten gelernt hast.
- Warum zeigt typando während des Tippens kein Tempo an?
- Wir möchten, dass du auf den Text achtest und nicht auf eine laufende Zahl, die zum Hetzen verleiten kann. Während der Übung siehst du deshalb nur deinen Fortschritt im Text. Tempo und Genauigkeit zeigt dir die Auswertung direkt danach, zusammen mit deinen schwächsten Tasten.
- Soll ich fürs Tempo lieber Wörter oder ganze Texte üben?
- Beides hat seinen Platz. Häufige Wörter und Buchstabenpaare wiederholen gezielt die Bewegungen, die im Alltag ständig vorkommen. Zusammenhängende Sätze bringen Grossschreibung und Satzzeichen dazu. In typando übst du in Phase 2 mit häufigen Wörtern, Handwechseln und kurzen Sätzen, in Phase 3 mit Ausschnitten aus gemeinfreien Büchern und Sätzen aus dem Alltag.
Quellen
- Dhakal, V., Feit, A. M., Kristensson, P. O., & Oulasvirta, A. (2018). Observations on typing from 136 million keystrokes. Proceedings of the CHI Conference on Human Factors in Computing Systems. doi.org/10.1145/3173574.3174220
- Feit, A. M., Weir, D., & Oulasvirta, A. (2016). How we type: Movement strategies and performance in everyday typing. Proceedings of the CHI Conference on Human Factors in Computing Systems, 4262–4273. doi.org/10.1145/2858036.2858233
- Ericsson, K. A. (2006). The influence of experience and deliberate practice on the development of superior expert performance. In K. A. Ericsson, N. Charness, P. J. Feltovich & R. R. Hoffman (Eds.), The Cambridge Handbook of Expertise and Expert Performance (pp. 683–703). Cambridge University Press. doi.org/10.1017/CBO9780511816796.038
- Keith, N., & Ericsson, K. A. (2007). A deliberate practice account of typing proficiency in everyday typists. Journal of Experimental Psychology: Applied, 13(3), 135–145. doi.org/10.1037/1076-898X.13.3.135