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Wie lange dauert es, 10 Finger schreiben zu lernen?

Rechne mit rund 20 bis 35 Übungsstunden, verteilt über 6 bis 10 Wochen, bis du sicher blind schreibst. Dein bisheriges Tempo erreichst du meist nach einem bis drei Monaten wieder. Wo du in dieser Spanne landest, hängt stark davon ab, wie du deine Übungszeit verteilst.

Womit du realistisch rechnen kannst

Diese Zahlen sind unsere Einschätzung aus den Studien, die wir hier vorstellen. Eine einzelne Untersuchung, die genau diese Frage beantwortet, gibt es nicht. «Sicher blind schreiben» heisst dabei: Du findest alle Buchstaben und Satzzeichen, ohne auf die Tastatur zu schauen, und machst nur noch wenige Fehler.

Die Stunden kommen nicht allein im Trainer zusammen. Sobald du die Buchstaben kennst, zählt jede E-Mail mit, die du blind schreibst.

Offen ist dagegen, wie viele Stunden du bis 60 oder 80 Wörter pro Minute (WPM) brauchst. Solche Stundenangaben gibt es in der Fachliteratur nicht; jede Zahl dazu wäre geraten. Setz dir deshalb als erstes Ziel das sichere Blindschreiben und nicht eine bestimmte WPM-Zahl. Wie du dein Tempo später einordnest, erklärt der Artikel WPM richtig einordnen.

Kurze Einheiten schlagen lange Übungsblöcke

Wie viel die Verteilung ausmacht, zeigt eine klassische Studie von Baddeley und Longman. Darin lernten 70 Postangestellte tippen, und zwar mit unterschiedlich verteiltem Training. Wer eine Stunde pro Tag übte, beherrschte die Tastatur nach 34,9 Nettostunden. Die Gruppe mit zweimal zwei Stunden täglich brauchte 49,7 Stunden, also rund 15 Stunden mehr. Auch beim Endtempo lagen die verteilt Übenden vorne: 79,3 gegenüber 66,8 Anschlägen pro Minute.

Aufschlussreich ist ein Detail am Rand. Die Teilnehmenden zogen das geballte Training vor, obwohl es weniger brachte. Verlass dich bei der Planung also nicht auf dein Gefühl.

Wir empfehlen ein bis zwei Einheiten von 10 bis 20 Minuten pro Tag, am besten zu festen Zeiten, etwa bevor du morgens deine E-Mails öffnest. Hör auf, sobald sich die Fehler häufen, und lockere zwischen zwei Übungen kurz die Hände. Die Studie verglich Einheiten von einer und zwei Stunden; unsere kürzere Empfehlung überträgt ihre Richtung auf den Alltag: lieber verteilt als geballt.

Schlaf arbeitet mit

Ein Teil des Lernens geschieht zwischen den Übungen. Walker und Kollegen liessen Versuchspersonen eine Tippfolge mit den Fingern üben. Nach einer Nacht Schlaf waren sie rund 20 % schneller, ohne an Genauigkeit zu verlieren. Geübt wurde allerdings eine einzelne Folge von Anschlägen und kein Text. Wie gross der Effekt beim Blindschreiben ist, bleibt offen.

Für deinen Plan heisst das trotzdem etwas. Auf sieben kurze Einheiten pro Woche folgen sieben Nächte, auf eine lange Einheit nur eine. Übe darum an möglichst vielen Tagen der Woche, auch wenn es nur zehn Minuten sind.

So verläuft die Lernkurve

Nach den ersten Wochen hört der Fortschritt nicht auf. In einer Studie von van Weerdenburg und Kollegen übten Kinder sieben Monate lang täglich 20 Minuten. Sie steigerten sich in dieser Zeit von 52,85 auf 168,34 Anschläge pro Minute. Umgerechnet ist das ein Anstieg von rund 11 auf rund 34 WPM, wenn man wie üblich fünf Anschläge als ein Wort zählt.

Ob die Fertigkeit bleibt, dazu gibt ein Schulbericht von Ertl einen Hinweis. Kinder, die in der fünften Klasse mindestens 20 WPM erreichten, umgerechnet 100 Anschläge pro Minute, behielten das Blindschreiben wahrscheinlich. Blieben sie darunter, betrug die Chance, es zu behalten, nur etwa 50 %. Der Bericht ist nicht begutachtet und betrifft Schulkinder; eine feste Regel für Erwachsene lässt sich daraus nicht ableiten.

Nimm die 20 WPM trotzdem als grobe Marke. Hör nicht auf, bevor du sie sicher erreichst.

Die Übergangszeit nach dem Umstieg

Heikel wird es oft erst, wenn du die Tasten kennst, aber noch langsamer bist als mit deiner alten Tippweise. Yechiam und Kollegen fassen einen Befund früherer Forschung so zusammen: Ein erfolgreiches Tipptraining garantiert nicht, dass die Technik im Alltag ankommt. Lernende fallen ins Tippen mit Blick auf die Tastatur zurück, weil das kurzfristig schneller geht.

Dass sich Geduld auszahlen kann, zeigt eine Studie von Weigelt Marom und Weintraub mit Studierenden, 30 davon ohne und 44 mit Lernschwierigkeiten. Die Gruppe ohne Lernschwierigkeiten tippte direkt nach dem Kurs langsamer als vorher, die Gruppe mit Lernschwierigkeiten leicht schneller. Drei Monate später waren beide Gruppen signifikant schneller als vor dem Kurs, und die Genauigkeit lag weiterhin über 95 %.

Ein Tempotief nach dem Kurs ist also kein Zeichen, dass du etwas falsch machst. Schreib auch im Alltag blind, sobald du die Buchstaben ohne Hinsehen findest, und beginne mit Nachrichten ohne Zeitdruck. Ob sich dieser Aufwand für dich lohnt, beleuchtet der Artikel Ist 10-Finger-Schreiben heute noch sinnvoll?

Ein Wochenplan als Orientierung

Der folgende Plan ist unser Vorschlag und kein Forschungsergebnis. Er geht von ein bis zwei Einheiten mit je 10 bis 20 Minuten pro Tag aus und folgt dem Aufbau der Lektionen:

  • Woche 1 und 2: die Grundreihe, danach die obere Reihe. Wo deine Finger liegen, erklärt Grundstellung und Fingerhaltung.
  • Woche 3 und 4: die untere Reihe, danach Umlaute und Grossbuchstaben. Am Ende dieser Wochen schreibst du kurze Nachrichten schon blind.
  • Woche 5 und 6: Satzzeichen und Zahlen. Im Alltag tippst du nur noch blind, auch wenn es länger dauert.
  • Ab Woche 7: häufige Wörter und Handwechsel. Jetzt steigerst du dein Tempo gezielt, wie es Schneller tippen beschreibt.

Mit einer Einheit von 20 Minuten am Tag kommst du in zehn Wochen auf gut 23 Stunden Training. Eine zweite kurze Einheit oder Texte, die du im Alltag blind schreibst, bringen dich in die geschätzte Spanne von 20 bis 35 Stunden. Brauchst du für einen Abschnitt länger, verschiebe den Plan, statt dich durch die Lektionen zu hetzen.

Den ersten Schritt kannst du heute machen: Für den Anfang reicht eine Einheit von zehn Minuten im Trainer, und deinen Fortschritt speichert typando auch ohne Anmeldung in deinem Browser.

Häufige Fragen

Kann ich das Zehnfingersystem an einem Wochenende lernen?
An einem Wochenende lernst du die ersten Tastengruppen kennen, sicher sitzen sie danach aber noch nicht. Um ohne Hinsehen zu schreiben, brauchst du Wiederholung über mehrere Wochen, und lange Übungsblöcke bringen pro Stunde weniger als kurze, verteilte Einheiten. Nutze ein freies Wochenende deshalb als Start und übe danach jeden Tag ein paar Minuten weiter.
Was mache ich, wenn ich ein paar Tage nicht üben kann?
Mach dort weiter, wo du aufgehört hast, und wiederhole zuerst eine Lektion, die du schon bestanden hast. So merkst du rasch, ob die Tasten noch sitzen. Wegen einer Pause von wenigen Tagen musst du nicht von vorne beginnen. Wichtiger ist, dass du danach wieder in deinen täglichen Rhythmus findest.
Woran erkenne ich, dass ich Fortschritte mache?
Achte in den ersten Wochen vor allem darauf, wie genau du tippst und wie selten du noch auf die Tasten schaust. Das Tempo steigt oft erst später. In typando zeigt dir die Auswertung nach jeder Übung Genauigkeit, Tempo und die schwächsten Tasten; in der Statistik siehst du, wie sich diese Werte über mehrere Übungen entwickeln.
Ist es normal, eine Lektion mehrmals zu wiederholen?
Ja. Eine Lektion gilt erst ab 97 % Genauigkeit als bestanden, und diese Grenze ist bewusst streng. Reicht es mehrmals nicht, tippe langsamer und gleichmässiger, denn das Tempo zählt in Phase 1 nicht. Hilft auch das nicht, hör für heute auf und versuche es am nächsten Tag noch einmal.

Quellen

  1. Baddeley, A. D., & Longman, D. J. A. (1978). The influence of length and frequency of training session on the rate of learning to type. Ergonomics, 21(8), 627–635. doi.org/10.1080/00140137808931764
  2. Walker, M. P., Brakefield, T., Morgan, A., Hobson, J. A., & Stickgold, R. (2002). Practice with sleep makes perfect: Sleep-dependent motor skill learning. Neuron, 35(1), 205–211. doi.org/10.1016/S0896-6273(02)00746-8
  3. van Weerdenburg, M., Tesselhof, M., & van der Meijden, H. (2019). Touch-typing for better spelling and narrative-writing skills on the computer. Journal of Computer Assisted Learning, 35(1), 143–152. doi.org/10.1111/jcal.12323
  4. Ertl, M. A. (2007). The effects of initial touch keyboarding speed achievement of fifth graders and touch keyboarding skill retention in seventh grade. ERIC Document ED499927. eric.ed.gov/?id=ED499927
  5. Yechiam, E., Erev, I., Yehene, V., & Gopher, D. (2003). Melioration and the transition from touch-typing training to everyday use. Human Factors, 45(4), 671–684. doi.org/10.1518/hfes.45.4.671.27085
  6. Weigelt Marom, H., & Weintraub, N. (2015). The effect of a touch-typing program on keyboarding skills of higher education students with and without learning disabilities. Research in Developmental Disabilities, 47, 208–217. doi.org/10.1016/j.ridd.2015.09.014

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