Was ist eine gute Tippgeschwindigkeit? WPM richtig einordnen
38 WPM im Online-Test, 190 Anschläge pro Minute im Kurs: Das ist dieselbe Leistung, nur anders gezählt. Ob sie gut ist, verrät keine der beiden Zahlen. Dafür musst du wissen, wie gemessen wurde und mit wem du dich vergleichst. Studien liefern brauchbare Anhaltspunkte, wenn du ihre Einschränkungen mitliest.
So rechnen Tipptests
WPM steht für «words per minute», also Wörter pro Minute. Weil echte Wörter unterschiedlich lang sind, zählen Tipptests Zeichen und rechnen sie in Standardwörter um: Fünf Zeichen ergeben ein Wort, Leerzeichen und Satzzeichen eingeschlossen. Das lange Wort «Geschwindigkeit» zählt so wie drei kurze.
Die zweite gängige Einheit sind Anschläge pro Minute. Umrechnen ist einfach: WPM mal fünf ergibt Anschläge, Anschläge durch fünf ergeben WPM. Aus 38 WPM werden so 190 Anschläge.
Wichtiger als die Einheit ist, ob ein Test brutto oder netto misst. Brutto zählt alles, was du getippt hast. Netto zieht für jeden Fehler, der am Ende im Text stehen bleibt, ein ganzes Wort ab. Ein Rechenbeispiel: Du tippst in zwei Minuten 400 Zeichen, das sind 80 Standardwörter oder 40 WPM brutto. Bleiben sechs Fehler stehen, zieht die Formel sechs Wörter ab, auf zwei Minuten verteilt also drei pro Minute. Netto bleiben 37 WPM.
Fehler, die du sofort mit der Rücktaste korrigierst, ziehen nichts ab. Umsonst sind sie trotzdem nicht: Jede Korrektur braucht mindestens zwei zusätzliche Anschläge, und die Zeit dafür senkt dein Tempo. Vergleiche nur Werte derselben Art, also brutto mit brutto und netto mit netto.
Werte aus der Forschung
Vergleichswerte sind nur so gut wie die Angabe, wer getippt hat. Die Tabelle fasst die Studien zusammen, die dafür taugen. Wo die Forschenden Anschläge pro Minute angeben, haben wir durch fünf geteilt und gerundet.
| Wer | Tempo | Studie |
|---|---|---|
| Kinder vor und nach sieben Monaten Training | rund 11 und 34 WPM | van Weerdenburg et al. |
| Postangestellte am Ende eines Tippkurses | rund 13 bis 16 WPM | Baddeley und Longman |
| Kinder: Schwelle, ab der die Fertigkeit eher blieb | etwa 20 WPM | Ertl |
| Freiwillige in einem Online-Test, Durchschnitt | 51,56 WPM | Dhakal et al. |
| Alltags-Tipper mit und ohne Zehnfingersystem | 57,8 und 58,9 WPM | Feit et al. |
Die grösste Stichprobe stammt von Dhakal und Kollegen: Rund 168’000 Freiwillige absolvierten den Online-Tipptest des Teams und kamen im Schnitt auf 51,56 WPM, umgerechnet rund 258 Anschläge pro Minute. Ein Bevölkerungsdurchschnitt ist das nicht. Die Teilnehmenden hatten sich selbst für den Test gemeldet, und es waren überwiegend junge Menschen aus den USA. Wer freiwillig einen Tipptest macht, dürfte eher geübt sein.
Ähnlich schnell tippten die Menschen, die Feit, Weir und Oulasvirta beim alltäglichen Tippen untersuchten, und zwar unabhängig davon, ob sie das Zehnfingersystem gelernt (57,8 WPM) oder sich das Tippen selbst beigebracht hatten (58,9 WPM). Werte um 50 bis 60 WPM beschreiben also Menschen, die regelmässig tippen oder sich freiwillig testen liessen. Sie taugen als Richtwert für Geübte, nicht als Mindeststandard. Was der fehlende Unterschied für die Entscheidung zum Umlernen bedeutet, steht in Ist 10-Finger-Schreiben heute noch sinnvoll?
Für Lernende sind die oberen Zeilen aussagekräftiger. Die Postangestellten bei Baddeley und Longman lagen am Ende ihres Kurses je nach Übungsplan bei 66,8 bis 79,3 Anschlägen pro Minute, also weit unter den Werten der Geübten. Bei van Weerdenburg und Kollegen übten Kinder sieben Monate lang täglich 20 Minuten und steigerten sich dabei auf rund 34 WPM. Und ein nicht begutachteter Schulbericht von Ertl deutet darauf hin, dass Kinder die Fertigkeit wahrscheinlich behielten, wenn sie in der fünften Klasse mindestens 20 WPM schafften; darunter lag die Chance dafür nur bei etwa 50 %.
Wir nehmen die 20 WPM deshalb als erstes Etappenziel, blind und genau getippt, auch wenn die Zahl von Kindern stammt und schwach belegt ist. Konkrete Stundenangaben bis 60 oder 80 WPM gibt es in der Literatur dagegen nicht. Womit du bis zum sicheren Blindschreiben rechnen kannst, erklärt Wie lange dauert es, 10 Finger schreiben zu lernen?
Genauigkeit gehört zum Tempo
Ein schneller Test voller Fehler ist kein gutes Ergebnis. Bei Dhakal und Kollegen lag die Rate der unkorrigierten Fehler im Schnitt bei 1,167 %, und die Forschenden halten fest, dass schon eine kleine Verringerung der Fehler viel Tempo bringen kann.
Im Trainer von typando entscheidet deshalb zuerst die Genauigkeit. Eine Lektion gilt ab 97 % als bestanden, und dabei zählen auch die Fehler mit, die du korrigiert hast. 97 % klingt streng. Nachgerechnet ist es das weniger: Bei 40 WPM, also 200 Anschlägen pro Minute, erlaubt die Regel bis zu sechs Fehlanschläge pro Minute.
Während du tippst, zeigt der Trainer kein Tempo an, sondern nur deinen Fortschritt im Text; die Aufmerksamkeit bleibt so bei den Anschlägen. Ob «erst genau, dann schnell» der beste Trainingsweg ist, hat allerdings noch kein Trainingsexperiment direkt geprüft. Die Befunde zu Fehlern sprechen aber dafür, genau zu bleiben; mehr dazu in Schneller tippen: was die Forschung wirklich sagt.
Dein Massstab bist du selbst
Ranglisten mischen Werte aus ganz verschiedenen Situationen, etwa kurze Tests mit häufigen Wörtern und lange Texte mit Zahlen und Grossbuchstaben. Aufschlussreicher ist, ob du heute schneller und genauer tippst als vor einem Monat.
Miss dafür immer unter denselben Bedingungen, mit derselben Textart und derselben Dauer. Einzelne Tage sagen wenig. Die Richtung über mehrere Wochen sagt viel mehr.
In Phase 2 setzt dir der Trainer ein persönliches Tempo-Ziel: den Durchschnitt deiner letzten fünf Übungen plus 5 %. Liegt dein Schnitt bei 30 WPM, lautet das Ziel 32 WPM (31,5, gerundet). Die Auswertung prüft dabei zuerst die Genauigkeit und erst dann das Tempo. In Phase 1 zählt das Tempo noch gar nicht.
Den Vergleich mit dir selbst kannst du sofort beginnen: Im Trainer zeigt die Auswertung nach jeder Übung dein Netto-Tempo, und die Statistik stellt deine letzten 30 Übungen als Verlauf dar.
Häufige Fragen
- Wie viele Anschläge pro Minute sind 40 WPM?
- 40 WPM entsprechen 200 Anschlägen pro Minute, weil ein Wort als fünf Zeichen zählt. In die andere Richtung teilst du durch fünf: 300 Anschläge pro Minute sind 60 WPM. In Phase 1 zeigt dir die Auswertung von typando beide Werte an.
- Ist 40 WPM ein gutes Tempo?
- Für jemanden, der das Zehnfingersystem erst kürzlich gelernt hat, ist das viel. Die Postangestellten in der Studie von Baddeley und Longman lagen am Ende ihres Kurses bei umgerechnet rund 13 bis 16 WPM. Freiwillige in einem grossen Online-Test kamen dagegen im Schnitt auf 51,56 WPM. Mit 40 WPM liegst du dazwischen. Aussagekräftiger ist, ob dein Wert über die Wochen steigt.
- Zählen Leerzeichen und Grossbuchstaben beim Tempo mit?
- Leerzeichen und Satzzeichen zählen wie Buchstaben als Zeichen. Ein Grossbuchstabe zählt bei typando als ein Zeichen, obwohl du dafür zusätzlich die Umschalttaste drückst. Texte mit vielen Grossbuchstaben, Zahlen und Satzzeichen ergeben deshalb meist tiefere Werte als Übungen mit kleingeschriebenen Wörtern.
- Warum bin ich im Tipptest schneller als beim Schreiben eigener Texte?
- Beim Abtippen steht der Text schon da, du musst ihn nur lesen. Beim eigenen Schreiben formulierst du nebenbei, hältst inne und stellst Sätze um. Diese Denkpausen senken das gemessene Tempo, ohne dass deine Finger langsamer geworden sind. Vergleiche Testwerte deshalb nur mit Testwerten.
Quellen
- Dhakal, V., Feit, A. M., Kristensson, P. O., & Oulasvirta, A. (2018). Observations on typing from 136 million keystrokes. Proceedings of the CHI Conference on Human Factors in Computing Systems. doi.org/10.1145/3173574.3174220
- Feit, A. M., Weir, D., & Oulasvirta, A. (2016). How we type: Movement strategies and performance in everyday typing. Proceedings of the CHI Conference on Human Factors in Computing Systems, 4262–4273. doi.org/10.1145/2858036.2858233
- Baddeley, A. D., & Longman, D. J. A. (1978). The influence of length and frequency of training session on the rate of learning to type. Ergonomics, 21(8), 627–635. doi.org/10.1080/00140137808931764
- van Weerdenburg, M., Tesselhof, M., & van der Meijden, H. (2019). Touch-typing for better spelling and narrative-writing skills on the computer. Journal of Computer Assisted Learning, 35(1), 143–152. doi.org/10.1111/jcal.12323
- Ertl, M. A. (2007). The effects of initial touch keyboarding speed achievement of fifth graders and touch keyboarding skill retention in seventh grade. ERIC Document ED499927. eric.ed.gov/?id=ED499927